Sonntag, 3. Mai 2009

Massie - Der Chaoscollie. Folge 3


Little Johnny war verzweifelt: Hätte er doch nur auf seinen Vater gehört! Warum musste er sich über das Verbot hinwegsetzen und bei der Schmetterlingsjagd über die Grenzen der Waterblue-Farm gehen? Jetzt steckte er mit seinem Fuß in einem Erdloch fest. Tränen traten ihm in die Augen - vom Schmerz des verdrehten Gelenks und seiner Hilflosigkeit geboren.

Bald schon würde es Nacht werden - und sicher würden Big Will und sein Vater nach Little Johnny suchen. Doch würden sie ihn auch finden? Hier in den verkalkten Tälern des verlassenen Steinbruchs? Eine weitere Angst kam hinzu: Big Will hatte mal erzählt, dass es hier spuken würden. Bei Einbruch der Dunkelheit trieben Geister ihr Unwesen - die Seelen von vielen Generationen abgeschlachteter Rothäute, die Rache nehmen wollten für die Enteignung ihres Landes.

Und heute Nacht würden sie sich an Little Johnny rächen, wenn er nicht bald hier weg käme!

Energisch zog er an seinem Knöchel. Little Johnny schrie auf. Ein greller Schmerz zog sich über sein ganzes Bein bis in seine Magengrube. Nichts zu machen... Ach, wäre Massie doch jetzt nur...
Massie! Eine plötzliche Welle der Hoffnung schwappte durch den Körper des Neunjährigen. Der prächtige Collie war den Waterblues vor einer Woche zugelaufen. Er hatte mit Bessy, dem letzten Hund der Farmerfamilie gekämpft, und ihm die Kehle durchgebissen. Sein gutes Recht, denn im Wilden Westen siegt immer der Stärkere, hatte Big Will Little Johnny erklärt. Und so hatten die Waterblues den Collie - eigentlich eine Collie-Dame - adoptiert.

Massie und Little Johnny waren schnell Freunde geworden. Der Junge hatte dem Hund das Aportieren von Pistolenkugeln und das Ausgraben von Knochen auf dem Indianerfriedhof beigebracht und... Indianer! Die Sonne ging langsam unter. Lange Schatten zogen sich durch den Steinbruch. Schatten von alten Indianerschamanen, deren Seelen hier in die Ewigen Jagdgründe eingegangen waren. Und die jetzt zurückkommen sollten.

Little Johnny hielt seine Finger an die Zunge und gab einen schrillen Piff ab. Er hoffte inständig, dass Massie ihn hören und darauf reagieren würde. Erst gestern hatten sie den Trick geübt.

Minuten vergingen, die Little Johnny wie Tage vorkamen. Die Schatten wurden länger, der Junge merkte, wie sich die Indianer-Geister um ihn herum formierten. Er weinte bitterlich. Massie würden ihn niemals hören. Da konnte er so oft pfeifen, wie er wollte... Kraftlos ließ sich der Junge auf den Boden sinken...

Als er plötzlich ein Bellen hörte! "Massie! Massie! Da bist du ja!" rief Little Johnny erleichtert und wischte sich die Tränen weg. Schwanzwedelnd stand die Collie-Dame oben auf dem Steinbruch. Dieses wunderbare, dieses intelligente Tier...
"Komm zu mir, Massie! Du musst mich aus diesem Erdloch ausbuddeln!"
Der Hund handele schnell, er lief auf Johnny zu - genau über die Klippe des Steinbruchs. Die treue Massie stolperte, riss ein paar Steine mit. Der Steinbruch grollte bedrohlich. Massie purzelte weiter, immer mehr Felsbrocken lösten sich, immer wieder stieß der Hund neue Steine an.

Winselnd rutschte Massie in Little Johnnys Arme, hechelte erschöpft. Doch der Steinbruch grollte weiter. Entsetzt stellte Little Johnny fest, dass der Hund durch seinen ungeschickten Sturz eine Kettenreaktion ausgelöst hatte. Jeden Moment würde der Steinbruch in sich zusammenfallen. Und Steinmassive würden den Ausgang versperren.

Dann wären Little Johnny und Massie gefangen. Und allein. Allein mit den Indianer-Geistern...

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