Samstag, 23. Mai 2009

Massie - Der Chaoscollie. Folge 9


Aus aktuellem Anlass: Hintergründiges

Hunde, sofern gut erzogen, folgen immer ihrem RUF. Damit unterscheiden sie sich durch nichts von überehrgeizigen Hochschulprofessoren, höchstens vielleicht von anderen Tieren wie beispielsweise Katzen.

Je nachdem, von welcher Stelle der Ruf erschallt (mehr dazu in Folge 6), gibt es im Reich der Hunde jedoch gewisse Schwierigkeiten. Hunde, besonders männliche, sogenannte Rüden, markieren in ebendieser Manier ihr Revier. Dazu verspitzen sie einige Tropfen eigengeruchtransportierenden Urin an diversen Randmarken ihres Gebiets. Jeder andere männliche Hund weiß nun, dass dieses Stück Land/Zaun/Straßenlaterne schon vom Markierer in Beschlag genommen worden ist. Die einfache Gleichung: Hund = Rudeltier = Unterwerfung gewisser gruppenynamischer Prozesse geht insofern auf, dass eben nicht jeder Hund einfach so durch die Welt trotten kann, ohne sich sofort gewissen revierverteidigenden/- bzw -erobernden Prozessen (Dieser Platz ist zu klein für uns zwei!) unterworfen zu sehen, die natürlich von der eigentlichen Bestimmung (Der RUF! Der RUF!) ablenken würden.

Hunde, die wie unsere Massie einem RUF (bzw. einer BERUFUNG: Mehr Chaos in die Welt zu bringen!) zu folgen haben, müssen also alternative Reisewege nutzen. Bewährt hat sich die Technik des sogenannten Fernmarkierens, dem ein Sich-selbst-Materialisieren am Markierungsort, ganz ohne die lästigen Beißereien folgt. Gerüchten zufolge war es ein kleiner schwarzer Terrier, der irgendwo im dänischen Hinterland als erster diese revolutionäre Innovation der hündischen Fortbewegung ins Leben rief. Er begann nämlich, seine Reviermarkierung an bewegten Objekten vorzunehmen, sprich: Autos. Einmal Hamburg bitte, sagte er kleine schwarze Terrier (auf dänisch natürlich bzw. auf hündisch, gibt es da auch Landessprachen?) während er auf dem Parkplatz eines Dansk Supermarked an ein deutsches Auto pinkelte. Er wurde ganz schön berühmt dadurch.

 Scotti, beam mich nach Berlin, bellt Massie dem kleinen schwarzen Terrier zu,  nachdem sie einen RUF dorthin bekommen hat (-wenn man es genauer überlegt, ist Hundesprache wohl der Einfachheit halber doch grenzenlos oder zumindest soweit der globalisierten Welt angepasst, dass eine problemlose Verständigung zwischen den beiden Protagonisten dieser Folge möglich ist). Scotti, das ist der Name, dem die Supermarktkette NETTO dem kleinen schwarzen Terrier verliehen hat, dem er als Testimonial dient, der kleine Hund, der sich überall verbreitet und nun sein Konterfei auf über 280 gelben Discountsupermärkte in Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Sachsen, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und dem Großraum Hamburg schmückt.

Massie wäre nicht Massie, wäre sie nicht zwar emanzipiert (Im Stehen pinkeln? No Problem!), aber dennoch auch, nunja, einer HundeDAME gemäß auch ein wenig eitel. Massie freut sich daher besonders, inspiriert von Scotti, auf eine andere Art der Fermarkierung zurückgreifen zu können, die erst durch die weite Welt des Internets möglich geworden ist: Die Transmedialreise. Auf diese Weise kann Massie (von jedem, der sich denkt: hier wird Massie- Der Chaoscollie gebraucht!) an verschiedenste Orte der Welt gebracht werden. Denn dort, wo Massies wunderhübsche Hundegestalt im öffentlichen Raum erscheint, da ist sie (und damit auch das Chaos) nicht weit. 

Montag, 18. Mai 2009

Massie- Der Chaoscollie. Folge 10

Be(come) Berlin.

Manche Ereignisse bedürfen nicht vieler Worte. 

Mittwoch, 13. Mai 2009

Massie- Der Chaoscollie. Folge 17.


Heute in: Prenzl'Berg.


Würde ihr untrüglicher Geruchssinn nicht verraten, dass sich in der Küche eine Menge Bioessen befindet und ihre scharfen Ohren nicht im Badezimmer das Geräusch eines von Ökostrom betriebenen Föns hören, so wüsste Massie gar nicht, ob hier jemand wohnt. Abgeschliffene Dielen, weiß verputzte Wände, fast keine Möbel. Gar kein Staub.

Das ist also das neue Zuhause. Sorgfältig versieht Massie die Flurecke mit einer Duftmarke. Schließlich ist sie eine emanzipierte Hündin. Und außerdem nimmt sie ihren Job ernst, jawohl.Aber, laaangweilig ist es hier. Wenn sie da an die Straße draußen denkt- überall wunderbare Hundgerüche. Und dann der große Bernhardiner, der am Ende der Allee wohnt... da würde sie jetzt gerne hinlaufen. Und er mag sie scheinbar auch. Letztes Mal ist er fast seinem Frauchen weggelaufen.

 Massie lugt um die Ecke in den weiß gekachelten Raum. Dort steht Herrchen Malte, der früher immer was mit Med’schen machen wollte und dies jetzt, wo er groß ist, eigentlich auch macht. Jedenfalls erzählt er das den Menschen in Markenklamotten mit abgeschnittenen Schildchen, die er an seinem Arbeitsplatz, Lieblingscafé um die Ecke, zwischen all den Laptops und Latte Macchiatos trifft. Nun ist Malte seit einer Stunde damit beschäftigt, seine Haare arbeitsfertig (d.h. so leger und ungestylt wirkend wie möglich) zu fönen und zu wachsen.

 Malte, ich würde mich freuen, wenn du nächstes Mal doch morgens noch eine Runde mit dem Hund gehen könntest, ich glaube nämlich, dass er schon in den Flur gemacht hat.

Frauchen Madita steht plötzlich hinter Massie, anklagend, und er hat sie gar nicht kommen gerochen, ihr Parfum riecht genauso wie das Raumspray, irgendwas mit Zitronengras.

Och Schatz, es tut mir leid, ich habe es nicht geschafft, weil ich wegen meines Meetings gleich ein wenig aufgeregt bin. Es tut mir leid, dass ich dir das nicht rechtzeitig kommuniziert habe.

Also nimmt Frauchen Madita Massie mit. Sie ist auf dem Weg Leif-Ingmar, den dritten Mitbewohner der Wohnungs- und Lebensabschnittsgemeinschaft, in seinem aerodynamischen, stromlinienförmigen Buggy in die KITA zu rollen und dann zur Arbeit zu gehen. Auch ins Café, aber in ein anderes. Man braucht ja auch seinen Freiraum.

 Frauchen Madita, Klein-Herrchen Leif-Ingmar und Massie verlassen also den Altbau durch die imposante Tür. Die Leine ist lustig, sie wackelt hoch und runter, weil Frauchen sie an den organisch Mutterleib-Schaukelbewegungen-nachempfindenden Buggy gebunden hat. Massie beißt hinein, zieht, spielt, das ist lustig. Findet Frauchen Madita aber nicht.

 Wenn man klein und schmächtig ist, kann es von besonderem Vorteil sein, einen großen, muskulös-massigen starken Hund zu haben. Das Frauchen (genauer gesagt: das Omchen) von Waldi, einen schon leicht ergrauenden Bernhardiner (schwer in Love with Massie)  wollte ihn nur für einen kurzen Moment anbinden, um in das niedliche kleine Geschäft zu gehen, in dem auch nur niedliche kleine Sachen in schönen Farben verkauft werden. Was das Omchen nicht bedacht hat: Ein Rennrad hält einen Bernhardiner, gleich wie alt, nicht auf.

 Herrchen Malte rennt die Treppe hinunter, denn dort unten steht sein RennRAD. Normalerweise fährt er erst mit dem Auto in den Wald, um dort ungestört radeln zu können, aber auch jetzt in der Stadt wird ihm das Rennrad ungeahnte Geschwindigkeit verleihen - fliegen wird er über die Panzerplattenbürgersteige, fliegen! Doch - oh Schreck - das Rad ist weg.

Frauchen Madita sieht den riesigen Fellklumpen (Waldi samt Metallanhang) auf sich zurollen und lässt vor Schreck die Leine, die sie gerade neu am Buggy hatte befestigen wollen, los. Gerade noch rechtzeitig kann sie Leif-Ingmar vor der Hundlawine auf dem Gehweg retten und an ihr pochendes Herz drücken.

Herrchen Malte blickt die lange Straße hinunter weil er es scheppern hört.

...

Im Grunde sind Frauchen Madita und Herrchen Malte gar nicht so unfroh, dass sie Massie auf diese Weise losgeworden sind, hatten sie ihrem Therapeuten doch ohnehin nicht geglaubt, dass ihnen Chaos im Leben fehlt. Immer diese unkonventionellen Interventionsmethoden, also manchmal, ja, das hat das ganze auch Grenzen. Einen Moment lang überlegen die beiden, ob sie sich vielleicht wie die eigenen Eltern anhören, die sich immer vor dem rohen Fisch ekeln, wenn sie bei ihnen zum Essen eingeladen sind und nie etwas Neues ausprobieren wollen.

Massie und Waldi trotten dem Sonnenuntergang entgegen. Waldi zieht immer noch das Rennrad hinter sich her, in dem sich mittlerweile ein Mülleimer, eine Trittleiter, mehrere Sandspielzeuge und ein totes Eichhörnchen verfangen haben. Aber das macht Waldi nichts aus. Die Liebe verleiht ihm Riesenkräfte. Glücklich stupst er Massie mit seiner kalten Schnauze an, woraufhin diese einen glücklichen Seufzer ausstößt. 

Herzförmig zieht die Dunkelheit auf.

Freitag, 8. Mai 2009

Prominent auf faz.net

http://www.faz.net/s/Rub77CAECAE94D7431F9EACD163751D4CFD/Doc~E6F8D7B9E627E47D0A01CF242A2B7420E~ATpl~Ecommon~Scontent.html

hier hält sich der mutmaßliche Folterer von Siegburg mit einer schönen Zeitung das Gesicht zu. Jetzt kommt meine Rundschau auch endlich mal ins Internet!

Dienstag, 5. Mai 2009

Sonntag, 3. Mai 2009

Massie - Der Chaoscollie. Folge 3


Little Johnny war verzweifelt: Hätte er doch nur auf seinen Vater gehört! Warum musste er sich über das Verbot hinwegsetzen und bei der Schmetterlingsjagd über die Grenzen der Waterblue-Farm gehen? Jetzt steckte er mit seinem Fuß in einem Erdloch fest. Tränen traten ihm in die Augen - vom Schmerz des verdrehten Gelenks und seiner Hilflosigkeit geboren.

Bald schon würde es Nacht werden - und sicher würden Big Will und sein Vater nach Little Johnny suchen. Doch würden sie ihn auch finden? Hier in den verkalkten Tälern des verlassenen Steinbruchs? Eine weitere Angst kam hinzu: Big Will hatte mal erzählt, dass es hier spuken würden. Bei Einbruch der Dunkelheit trieben Geister ihr Unwesen - die Seelen von vielen Generationen abgeschlachteter Rothäute, die Rache nehmen wollten für die Enteignung ihres Landes.

Und heute Nacht würden sie sich an Little Johnny rächen, wenn er nicht bald hier weg käme!

Energisch zog er an seinem Knöchel. Little Johnny schrie auf. Ein greller Schmerz zog sich über sein ganzes Bein bis in seine Magengrube. Nichts zu machen... Ach, wäre Massie doch jetzt nur...
Massie! Eine plötzliche Welle der Hoffnung schwappte durch den Körper des Neunjährigen. Der prächtige Collie war den Waterblues vor einer Woche zugelaufen. Er hatte mit Bessy, dem letzten Hund der Farmerfamilie gekämpft, und ihm die Kehle durchgebissen. Sein gutes Recht, denn im Wilden Westen siegt immer der Stärkere, hatte Big Will Little Johnny erklärt. Und so hatten die Waterblues den Collie - eigentlich eine Collie-Dame - adoptiert.

Massie und Little Johnny waren schnell Freunde geworden. Der Junge hatte dem Hund das Aportieren von Pistolenkugeln und das Ausgraben von Knochen auf dem Indianerfriedhof beigebracht und... Indianer! Die Sonne ging langsam unter. Lange Schatten zogen sich durch den Steinbruch. Schatten von alten Indianerschamanen, deren Seelen hier in die Ewigen Jagdgründe eingegangen waren. Und die jetzt zurückkommen sollten.

Little Johnny hielt seine Finger an die Zunge und gab einen schrillen Piff ab. Er hoffte inständig, dass Massie ihn hören und darauf reagieren würde. Erst gestern hatten sie den Trick geübt.

Minuten vergingen, die Little Johnny wie Tage vorkamen. Die Schatten wurden länger, der Junge merkte, wie sich die Indianer-Geister um ihn herum formierten. Er weinte bitterlich. Massie würden ihn niemals hören. Da konnte er so oft pfeifen, wie er wollte... Kraftlos ließ sich der Junge auf den Boden sinken...

Als er plötzlich ein Bellen hörte! "Massie! Massie! Da bist du ja!" rief Little Johnny erleichtert und wischte sich die Tränen weg. Schwanzwedelnd stand die Collie-Dame oben auf dem Steinbruch. Dieses wunderbare, dieses intelligente Tier...
"Komm zu mir, Massie! Du musst mich aus diesem Erdloch ausbuddeln!"
Der Hund handele schnell, er lief auf Johnny zu - genau über die Klippe des Steinbruchs. Die treue Massie stolperte, riss ein paar Steine mit. Der Steinbruch grollte bedrohlich. Massie purzelte weiter, immer mehr Felsbrocken lösten sich, immer wieder stieß der Hund neue Steine an.

Winselnd rutschte Massie in Little Johnnys Arme, hechelte erschöpft. Doch der Steinbruch grollte weiter. Entsetzt stellte Little Johnny fest, dass der Hund durch seinen ungeschickten Sturz eine Kettenreaktion ausgelöst hatte. Jeden Moment würde der Steinbruch in sich zusammenfallen. Und Steinmassive würden den Ausgang versperren.

Dann wären Little Johnny und Massie gefangen. Und allein. Allein mit den Indianer-Geistern...