Donnerstag, 25. Juni 2009

Das Leben ist...










ein Streichelzoo.












Was nicht ausschließt, dass es gleichzeitig hartes Pflaster ist.

Sooo gefährlich ist Neukölln also gar nicht.

Donnerstag, 18. Juni 2009

Massie - Der Chaoscollie. Folge 11

Kreuzkölln

















Nachdem Scotti Massie nach Berlin gebeamt und sie sich dann wieder von der Wand gelöst hat, stromert sie erst einmal ein wenig orientierungslos (aber was macht das schon, wenn man eine gute Nase hat, der man folgen kann) durch die Straßen. Riechen tut es jedenfalls schonmal ganz ordentlich hier in Berlin, Schöne breite Bürgersteige, und die meisten sind auch schon von Artgenossen ansprechend mit Selbstgemachtem dekoriert worden.

 Im Grunde weiß sie gar nicht so genau, wie sie ihrem Ruf denn nun folgen soll. Wie verbreitet man Chaos in einer Welt, die schon chaotisch ist? fragt sich Massie, als sie durch Neukölln trottet, vom Landwehrkanal Richtung Sonnenallee. Auf dem Weg kommt sie an einem Wohnungsauflösungsgeschäft nach dem nächsten vorbei, 1000 Kubikmeter Möbel, Ramsch und Möbelramsch auf 50 Kubikmeter Platz, in dem ein Regal steht. Ein Laden ist ein wenig spezialisierter; es gibt nur Elektroschrott. Nur ein kleiner Zettel im Schaufenster weist darauf hin, dass „Kopftücher immer Angebot (schön!)“ sind. Könnte Massie lesen, würde sie sich sicher wundern, und/oder lachen und noch weniger wissen, wo sie hier noch Chaos verbreiten soll. Glücklicherweise ist sie aber besonders sensibel für menschliche Ironiestellen, so dass sie diesen Quell der Lustigkeit trotzdem wahrnimmt. Genau wie das gedruckte Schild an der Scheibe vom PLUS: PAUSCHALMITARBEITER/IN GESUCHT steht in der oberen Zeile. Und darunter. FILIALLEITER gesucht. Glücklicherweise zeigen sich schon leicht reaktante Anwandlungen der Neuköllner Bevölkerung, indem jemand mit einem Edding das fehlende /IN auch beim FILIALLEITER auf die Fensterscheibe geschrieben hat. Das DU ARSCH fett dahinter ist nicht nur Reaktanz, sondern Revolution.

Richtig so, findet Massie, und außerdem, dass die Geschichte langsam mal anfangen könnte, da sie sich langsam bei soviel Schaufenstertext (und das als Hund, wo sie ja eigentlich auch gar nicht lesen kann) langweilt. Am Hermannplatz, im Niemandland zwischen Neukölln und Kreuzberg, platzt Massie deshalb auch erstmal. Soll heißen: legt sich nieder. Und wartet. Menschen ergießen sich über den Hermannplatz, bewegen sich wie Ameisen wimmelnd herum, Auto fahren und stoppen und fahren wie dicke stinkende Käfer. Ein Mechaniker bastelt an der Ampelhauptschaltung.

Das ist auch nicht spannend.

Massie schaut nicht mehr hin, sondern wartet weiter.

KRRRRRGHFLÖPFLÖPPLATSCH.

Irgendetwas ist da. Es ist laut, und es ist schnell. Aber nicht so schnell, dass Massie aus ihren windhundschnellen Augenwinkeln nicht gesehen hätte, dass es auch unglaublich hässlich ist. Und Angst hat.

Massie springt auf. Jeder Muskel in ihrem wohlgezüchteten Kürper spannt sich, jedes vitaminglänzende Haar stellt sich auf: Adrenalin verteilt sich bis in die feinsten Kapillaren. Massie ist kein Hund mehr, sondern eine entsicherte Granate. Ihr Kopf fährt herum; ihre scharfen Sinne schneiden durch die Luft, und noch bevor die Schallwellen sie wirklich erreicht haben, kann sie ihn riechen.

Den wütendenden, lauten, hungrigen Mob, der sich aus Kreuzberg nähert.

Eine buntwallende Mischung aus erwachsenengewordenen Punks, langhaarige Altachtundsechsziger, üni gekleideten Werbeagenturmenschen, anders- aber ähnlich gekleideten Kommunikationsagenturmenschen (die auch den Sprechchor: Man findet keine Freunde mit Salahat, man findet keine Freunde mit Salahat, DENN DAZUUUU MUSS TOFUUUU! anführen). Viele tragen mehr oder weniger Kinder in Tragetüchern mit sich herum. Die in der Vor-Grünen Zeit radikale Kreuzbergfraktion hat sich mit allen political überkorrekten Bewohnern ihres Viertels zur GG, der Gruppe der Gentrifizierer zusammengeschlossen, um noch einmal bzw. überhaupt einmal den Kick zu haben und für etwas zu kämpfen: DAS TOFU!

Es ist das hässliche Ding, hinter dem die bunte Horde her ist. 

Massie schaltet blitzschnell. 

Und zwar mit einem einzigen Satz Richtung Ampelschaltung. 

Pfote drauf, und schon zeigt die Fußgängerampel ROT.

Massie rast mit dem Tofu über die Straße, während der Mob brav auf der anderen Seite stehen bleibt und den mitgeschleppten Kindern erklärt, dass man da mal wieder sieht, dass nur böse Kreaturen die Straße bei Rot überqueren.

...

Als der Ampelmechaniker aus seiner Starre erwacht und schaltet, sind Massie und Tofu längst verschwunden. Ein passendes Versteck findet sich nämlich schnell. Ein Ort, an dem das Tofu mit Sicherheit sicher ist. Zumindest für die nächsten Wochen; denn in dieser Ecke weiß man nie...


Mittwoch, 17. Juni 2009

Vorgeschichte zu Massies neuem Freund...

Einen Vorteil hatte das Tofu: Weil Tofus so hässlich und unsympathisch sind, dass sie sogar von Vegetarieren gegessen werden, mussten in der Tofufabrik alle Mitarbeiter Augenbinden tragen. Hätte auch nur einer von ihnen einen Blick auf ein Tofu geworfen, er wäre angesichts der Hässlichkeit der armen Geschöpfe sofort blind geworden. Und weil eine plötzliche Erblindung von Mitarbeitern von der Versicherung des Arbeitgebers bezahlt werden musste, hatten die sich entschlossen, alle zum Tragen von Augenbinden zu verpflichten.
Und so kam es, dass ein Tofu unbemerkt aus der Verarbeitungsfabrik, wo die hässlichen und unsympathischen Tiere zu Vegetariernahrung gemacht werden, fliehen konnte. Es hatte Glück gehabt: Die Klammer, die die Tofus – die so hässlich und unsympathisch sind, dass sie hier aus Sicherheitsgründen nicht näher beschrieben werden dürfen – aus ihren Käfigen zieht, durch eine große Lagerhalle schleppt und dann in einen Schredder wirft, hatte sich bei unserem Tofu – nennen wir ihn mal Horst, was ja ein sehr hässlicher und unsympathischer Name ist – gelöst. Ein technischer Defekt war Schuld, für den auch irgendwann die Versicherung der Arbeitgeber haften muss, wenn irgendwann mal jemand merken sollte, dass die Klammer kaputt ist. Aber das passiert sicher so schnell nicht, schließlich tragen ja alle Mitarbeiter Augenbinden, womit es sehr schwer ist, eine defekte Klammer zu sehen.

Horst, der – wäre er nicht so unsympathisch, dass er niemals glücklich sein kann – glücklich hätte sein müssen, dass er nicht im Schredder gelandet ist (die Tofus weren so klein gehackt, dass man ihre Hässlichkeit nicht mehr sehen kann, so dass für die Vegetarier keine Gefahr besteht), ging raus in die weite Welt…

Mittwoch, 10. Juni 2009

Kurze Schizophrenie-Unterbrechung


Wir unterbrechen das aktuelle Programm ("Huschhusch ins Körbchen, Massie!") aus gegebenem Anlass.


Zum ersten Mal seit Blogbeginn ist der/die/das Blogger nicht mehr gespalten sondern hält sich in der gleichen Stadt auf. Das führt zu Hass, Gewalt und Sushi:







Wer jetzt fragt, ob dieser Köln/Neukölln-Blog einen Sinn ergibt, wenn keine der beiden Parteien in Köln ist, fragt völlig gerechtfertigt. Eine Antwort darauf könnte sein, dass das Denken in Parteien grundsätzlich nicht mehr zeitgemäß ist - im Gegensatz zu selbstreferenziellem Bloggen. Andererseits: Hass, Gewalt und Sushi können keine dauerhafte Lösung sein.


Ein überteuertes Zugticket wird ab Samstag wieder den Normalzustand erzeugen und diesem Blog seinen Sinn zurückgeben. Was wohl zwangsläufig den sinnlosesten Hund aller Zeiten wieder auf den Plan rufen wird.