
Heute in: Prenzl'Berg.
Würde ihr untrüglicher Geruchssinn nicht verraten, dass sich in der Küche eine Menge Bioessen befindet und ihre scharfen Ohren nicht im Badezimmer das Geräusch eines von Ökostrom betriebenen Föns hören, so wüsste Massie gar nicht, ob hier jemand wohnt. Abgeschliffene Dielen, weiß verputzte Wände, fast keine Möbel. Gar kein Staub.
Das ist also das neue Zuhause. Sorgfältig versieht Massie die Flurecke mit einer Duftmarke. Schließlich ist sie eine emanzipierte Hündin. Und außerdem nimmt sie ihren Job ernst, jawohl.Aber, laaangweilig ist es hier. Wenn sie da an die Straße draußen denkt- überall wunderbare Hundgerüche. Und dann der große Bernhardiner, der am Ende der Allee wohnt... da würde sie jetzt gerne hinlaufen. Und er mag sie scheinbar auch. Letztes Mal ist er fast seinem Frauchen weggelaufen.
Massie lugt um die Ecke in den weiß gekachelten Raum. Dort steht Herrchen Malte, der früher immer was mit Med’schen machen wollte und dies jetzt, wo er groß ist, eigentlich auch macht. Jedenfalls erzählt er das den Menschen in Markenklamotten mit abgeschnittenen Schildchen, die er an seinem Arbeitsplatz, Lieblingscafé um die Ecke, zwischen all den Laptops und Latte Macchiatos trifft. Nun ist Malte seit einer Stunde damit beschäftigt, seine Haare arbeitsfertig (d.h. so leger und ungestylt wirkend wie möglich) zu fönen und zu wachsen.
Malte, ich würde mich freuen, wenn du nächstes Mal doch morgens noch eine Runde mit dem Hund gehen könntest, ich glaube nämlich, dass er schon in den Flur gemacht hat.
Frauchen Madita steht plötzlich hinter Massie, anklagend, und er hat sie gar nicht kommen gerochen, ihr Parfum riecht genauso wie das Raumspray, irgendwas mit Zitronengras.
Och Schatz, es tut mir leid, ich habe es nicht geschafft, weil ich wegen meines Meetings gleich ein wenig aufgeregt bin. Es tut mir leid, dass ich dir das nicht rechtzeitig kommuniziert habe.
Also nimmt Frauchen Madita Massie mit. Sie ist auf dem Weg Leif-Ingmar, den dritten Mitbewohner der Wohnungs- und Lebensabschnittsgemeinschaft, in seinem aerodynamischen, stromlinienförmigen Buggy in die KITA zu rollen und dann zur Arbeit zu gehen. Auch ins Café, aber in ein anderes. Man braucht ja auch seinen Freiraum.
Frauchen Madita, Klein-Herrchen Leif-Ingmar und Massie verlassen also den Altbau durch die imposante Tür. Die Leine ist lustig, sie wackelt hoch und runter, weil Frauchen sie an den organisch Mutterleib-Schaukelbewegungen-nachempfindenden Buggy gebunden hat. Massie beißt hinein, zieht, spielt, das ist lustig. Findet Frauchen Madita aber nicht.
Wenn man klein und schmächtig ist, kann es von besonderem Vorteil sein, einen großen, muskulös-massigen starken Hund zu haben. Das Frauchen (genauer gesagt: das Omchen) von Waldi, einen schon leicht ergrauenden Bernhardiner (schwer in Love with Massie) wollte ihn nur für einen kurzen Moment anbinden, um in das niedliche kleine Geschäft zu gehen, in dem auch nur niedliche kleine Sachen in schönen Farben verkauft werden. Was das Omchen nicht bedacht hat: Ein Rennrad hält einen Bernhardiner, gleich wie alt, nicht auf.
Herrchen Malte rennt die Treppe hinunter, denn dort unten steht sein RennRAD. Normalerweise fährt er erst mit dem Auto in den Wald, um dort ungestört radeln zu können, aber auch jetzt in der Stadt wird ihm das Rennrad ungeahnte Geschwindigkeit verleihen - fliegen wird er über die Panzerplattenbürgersteige, fliegen! Doch - oh Schreck - das Rad ist weg.
Frauchen Madita sieht den riesigen Fellklumpen (Waldi samt Metallanhang) auf sich zurollen und lässt vor Schreck die Leine, die sie gerade neu am Buggy hatte befestigen wollen, los. Gerade noch rechtzeitig kann sie Leif-Ingmar vor der Hundlawine auf dem Gehweg retten und an ihr pochendes Herz drücken.
Herrchen Malte blickt die lange Straße hinunter weil er es scheppern hört.
...
Im Grunde sind Frauchen Madita und Herrchen Malte gar nicht so unfroh, dass sie Massie auf diese Weise losgeworden sind, hatten sie ihrem Therapeuten doch ohnehin nicht geglaubt, dass ihnen Chaos im Leben fehlt. Immer diese unkonventionellen Interventionsmethoden, also manchmal, ja, das hat das ganze auch Grenzen. Einen Moment lang überlegen die beiden, ob sie sich vielleicht wie die eigenen Eltern anhören, die sich immer vor dem rohen Fisch ekeln, wenn sie bei ihnen zum Essen eingeladen sind und nie etwas Neues ausprobieren wollen.
Massie und Waldi trotten dem Sonnenuntergang entgegen. Waldi zieht immer noch das Rennrad hinter sich her, in dem sich mittlerweile ein Mülleimer, eine Trittleiter, mehrere Sandspielzeuge und ein totes Eichhörnchen verfangen haben. Aber das macht Waldi nichts aus. Die Liebe verleiht ihm Riesenkräfte. Glücklich stupst er Massie mit seiner kalten Schnauze an, woraufhin diese einen glücklichen Seufzer ausstößt.
Herzförmig zieht die Dunkelheit auf.
Oh nein! Ist Folge 17 etwa schon die letzte Folge? :(
AntwortenLöschenaber nein! aber: erstmal muss der zwischenraum gefüllt werden. und das mach ich nicht alleine. ;)
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